Klostermann, Hermann

Aus Deutsches Jagd Lexikon - Wissen über Jagd, Natur, Naturschutz, Hunde und Outdoor
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hermann Klostermann (* 28. März 1839 in Retzin/Brandenburg; † ?).
Berüchtigter und sagenumwobender Wilderer im Eggegebirge (Paderborner Land) Mitte des 19. Jahrhunderts.
Obwohl gewerbsmäßiger Wilderer schenkte er nicht selten seine Beute an die Bevölkerung, was ihm den Beinamen Robin Hood der Egge einbrachte.

Einige wichtige Daten zu Hermann Klostermann:[1]
1839 geboren in Retzin (Provinz Brandenburg)
1843 der Vater von Hermann Klostermann stirbt in Retzin
1844 der Förster Dalchow heiratet die Mutter von Hermann Klostermann
1855 der Förster Dalchow erhält nach seiner Bewerbung bei der Regierung in Minden die Forstaufseherstelle in Hakenberg, Oberförsterei Neuenheerse
1857 - 1859 Klostermann leistet seinen Militärdienst in Minden
1858 die Mutter von Klostermann stirbt in Hakenberg; sie wird auf dem Friedhof „Kaetorf“ bei Lichtenau begraben.
1859 der Förster Dalchow wird auf die Stelle Mittelwald bei Scherfede versetzt
1862 am 19. September Verurteilung des Kl. vom Kreisgericht in Arolsen zu 5 Taler Geldstrafe oder 10 Tage Gefängnis wegen Betretens eines fremden Jagdreviers mit einem Gewehre
1862 am 7. November Verurteilung des Kl. von dem Gericht in Büren wegen gewerbsmäßigen Jagdvergehens. 6 Monate Gefängnis, Untersagung der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung unter Polizeiaufsicht auf ein Jahr.
1864 am 18. Oktober wird Kl. von dem Gericht in Büren wegen gewerbsmäßiger Wilderei im Rückfalle und versuchter Bestechung zu 7 Monaten Gefängnis, Untersagung der Ausübung der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung unter Polizeiaufsicht auf 2 Jahre verurteilt.
1865 am 10. Juni Verurteilung des Kl. vom Kreisgericht in Arolsen wegen unbefugten Betretens eines fremden Jagdgebietes mit einem Gewehr zu einer Geldstrafe von 14 Talern, ersatzweise 14 Tage Gefängnis.
1866 am 27. Juli Verurteilung des Kl. vom Kreisgericht in Brilon wegen wiederholter gewerbsmäßiger Wilderei im wiederholten Rückfalle, wegen Zwanges einer Person zur Unterlassung einer Amtshandlung durch Verübung eines Verbrechens zu einem Jahr Gefängnis, Untersagung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 1 Jahr und Stellung unter polizeiliche Aufsicht auf 3 Jahre. Diese Strafe wurde durch Cabinettsordre vom 18. Dezember 1866 auf 9 Monate ermäßigt und bis zum 23. April 1867 verbüßt.
1867 am 1. Oktober wird der Oberförster von Wrede während eines Revisionsrittes von einem Wilderer angeschossen. Klostermann wird später als Täter ermittelt.
1868 am 1. Februar wird der Forstläufer Heinemann im Rhodener Forst von Kl. angeschossen
1868 am 24. Mai kann Klostermann bei einer versuchten Festnahme durch das Militär fliehen. Sein Kumpan Lohoff wird bei dieser Gelegenheit erschossen.
1868 In der Nacht vom 13. zum 14. Juni wird Klostermann in Brilon festgenommen.
1868 Klostermann wird in Paderborn nach einer Gerichtsverhandlung vom 12.-14. November zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus von Herford verbüßen soll.
1873 am 23.06. brennt nach Brandstiftung durch einen Häftling das Zuchthaus in Herford ab. Alle 285 Häftlinge werden zunächst nach Minden gebracht und dort in verschiedenen Kontingenten auf andere Strafanstalten verteilt. Klostermann wird in einem Kontingent von 110 Mann nach Köln verlegt.
1877 Klostermann wird vom Gericht in Warburg wegen Wilddieberei verfolgt
1880 erneute Festnahme des Kl. wegen Wilderei durch den Jagdpächter Rechtsanwalt Geissel aus Warburg. Wegen dieser Straftat wird Klostermann vom Landgericht in Paderborn zu 5 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
1885 am 04.12.1885 verhängt der Regierungspräsident in Minden gegen Klostermann ein Aufenthaltsverbot für 127 Orte der Kreise Warburg, Büren, Höxter und Paderborn. Dieses Aufenthaltsverbot erstreckt sich auch auf 7 Orte des damaligen Fürstentums Waldeck.
1885 Klostermann verbüßt in Lichtenau eine Haftstrafe von einer Woche. Er wird anschließend nach Paderborn transportiert, wo er eine weitere Haftstrafe von 3 Wochen abzuleisten hat. Zu dieser Strafe wurde er vom Amtsgericht Warburg verurteilt, weil er sich trotz Aufenthaltsverbotes am „Eisenhammer“ bei Scherfede aufgehalten hatte
Danach verliert sich seine Spur in den Akten. Sterbeort und –datum sind nicht bekannt. Ein immer wieder genanntes Sterbejahr 1907 ist nach eingehender Prüfung definitiv falsch.

Weitere Informationen

Literatur

  • Willibald Alexis: Der neue Pitaval, eine Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten: 4. Band, 1869.
  • Thomas Ruf: Wildschütz Klostermann. Ein Wildererleben. 1. Auflage. Th. Thiele, Paderborn 1938 (Thomas Ruf ist ein Pseudonym von Georg Servais; 2., völlig neu bearbeitete Auflage 1953)
  • Sohns, Verena: Wenn "Robin Hood" beim Werben hilft. Jäger als Werbeträger. In: Wild und Hund, 1/2003, S. 52
  • Zeppelzauer, Andreas / Zeppelzauer, Regina: Die Wilderer. Berichte und Bilder von einst und jetzt. Leopold Stocker Verlag, 2004
  • Hermann Klostermann. Ein Wildererleben. In: Wild und Hund, 1/2003, S. 52
  • Der Wildschütz Hermann Klostermann. (Westfalen.) 1867 und 1868. In: Die neue Neudammerin, IV/2012

Einzelnachweise

<references>

  1. Hans-Dieter Hibbeln - Wildschütz Klostermann (abgerufen am 22.02.2016)