Wilderei

Aus Deutsches Jagd Lexikon - Wissen über Jagd, Natur, Naturschutz, Hunde und Outdoor
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Wilderei oder Wilddiebstahl ist die Beeinträchtigung fremder Jagd durch widerrechtliche Zueignung von jagdbaren Tieren. War das Wild bereits im Besitz des Jagdberechtigten oder sonst in das rechtmäßige Eigentum eines andern übergegangen, befand es sich z. B. in einem Gehege, in einer Parkanlage, so liegt kein Wilderei, sondern ein eigentlicher Diebstahl vor.
Das deutsche Strafgesetzbuch bedroht denjenigen, welcher an Orten, an denen zu jagen er nicht berechtigt ist, die Jagd ausübt, mit Gefängnis bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe. In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.
Die Wilderei ist in Deutschland nach § 292 des StGB eine „Straftat gegen das Vermögen und gegen Gemeinschaftswerte“. Wegen Wilderei wird derjenige bestraft, der den Jagdausübungsberechtigten aus seiner Stellung verdrängt und als Nichtberechtigter Wild erlegt. Die Kodifizierung als eigenständiges Delikt neben dem Diebstahl ist notwendig, da nach der zivilrechtlichen Eigentumsordnung wilde Tiere als herrenlos gelten und zunächst, solange sie leben, nicht eigentumsfähig sind.
Als straferhöhendes Moment wird es bezeichnet, wenn dem Wild mit Schlingen, Netzen, Fallen oder andern Vorrichtungen nachgestellt, oder wenn das Vergehen während der gesetzlichen Schonzeit, gewerbs- oder gewohnheitsmäßig, zur Nachtzeit oder gemeinschaftlich von mehreren begangen wird.
Neben der typischen Jagdwilderei, d.h. dem Nachstellen des Wildes mittels Schusswaffen oder Fanggeräten, werden auch das Aneignen von Geweihstangen oder Trophäen, die im Wald oder Feldflur gefunden werden; das Mitnehmen von Wild, welches durch Verkehrsunfälle am Straßenrand aufgefunden werden und das Hetzen und Reißen eines Stück Wildes durch einen Hund wird dem Halter als Jagdwilderei geahndet.
Übrigens ist auch schon derjenige strafbar, welcher ohne Genehmigung des Jagdberechtigten oder ohne sonstige Befugnis auf einem fremden Jagdgebiet außerhalb des öffentlichen, zum gemeinen Gebrauch bestimmten Wegs, wenn auch nicht jagend, doch zur Jagd ausgerüstet, betroffen wird. Eine entsprechende Befugnis bezeichnet mal als Jägernotweg.
Nach § 23 BJagdG gehört der Schutz des Wildes vor Wilderei zum Jagdschutz.

siehe auch: Wilddeube


Strafgesetzbuch § 292 Jagdwilderei
(1) Wer unter Verletzung fremden Jagdrechts oder Jagdausübungsrechts

  1. dem Wild nachstellt, es fängt, erlegt oder sich oder einem Dritten zueignet oder
  2. eine Sache, die dem Jagdrecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn die Tat

  1. gewerbs- oder gewohnheitsmäßig,
  2. zur Nachtzeit, in der Schonzeit, unter Anwendung von Schlingen oder in anderer nicht weidmännischer Weise oder
  3. von mehreren mit Schusswaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich begangen wird.


Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes weist für den Zeitraum 1987 - 2006 aus:
1987 - 1990: alte Bundesländer
1991 - 1992: alte Bundesländer mit Gesamt-Berlin
ab 1993: Bundesgebiet insgesamt (einschl. der fünf neuen Länder)

Jahr erfasste
Fälle
mit
Schusswaffe
Aufklärungsquote
in %
Tatverdächtigte
1987 1382 305 37,3 540
1988 1199 245 36,0 490
1989 1223 279 41,3 527
1990 1071 183 40,9 462
1991 960 165 40,2 440
1992 794 150 33,5 311
1993 1283 203 34,8 539
1994 1206 176 34,7 474
1995 1218 231 34,1 520
1996 1502 278 39,1 700
1997 1297 211 38,1 575
1998 1354 221 31,5 493
1999 1284 219 34,8 494
2000 1264 290 34,0 470
2001 1392 258 39,4 484
2002 1202 283 36,1 490
2003 1286 339 34,2 517
2004 1124 289 37,2 428
2005 1131 319 32,2 417
2006 1037 282 31,4 386

Berühmte Wilderer

siehe auch: Braconage

Literatur

  • Geier, Winfried: Wilderei in der Kriminalstatistik. In: Wild und Hund, 14/1991, S. 22-24
  • Maier, Johann: Wilderer vor Gericht. Wild- und Fischereidiebstahl in Österreich – Die aktuellen Zahlen aus dem Justizministerium (2009). In: Jagd in Tirol, 2/2011, S. 14-16
  • Radike, Joachim: Verkannte Straftat. Jagdwilderei: Rechtliche Betrachtungen und Hinweise, Erscheinungsformen und ihre Bekämpfung. In: Jäger, 3/1996, S. 22-23
  • Radike, Joachim: Verkannte Straftat. Jagdwilderei: Rechtliche Betrachtungen und Hinweise, Erscheinungsformen und ihre Bekämpfung. In: Jäger, 4/1996, S. 12-13
  • Urbschat, Klaus: Dunkle Geschäfte. Wilderei. In: Jäger, 11/1989, S. 38-42
  • Verkannte Straftat. Jagdwilderei: Rechtliche Betrachtungen und Hinweise, Erscheinungsformen und ihre Bekämpfung. In: Jäger, 5/1996, S. 26-27