Wildunfall

Aus Deutsches Jagd Lexikon - Wissen über Jagd, Natur, Naturschutz, Hunde und Outdoor
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Verkehrschild 142 - Vorsicht Wildwechsel

Ein Wildunfall ist ein Verkehrsunfall, der durch ein Wildtier verursacht wird. Es kann dabei entweder zu einer Kollision eines Fahrzeugs mit einem Wildtier kommen oder es entsteht ein Schaden in Folge eines durch das Tier veranlassten Ausweichmanövers.

Grundsätzlich werden Wildunfallschäden von der Teilkaskoversicherung übernommen. Doch nicht bei jedem Unfall mit Wildtieren zahlt der Versicherer. Nach den herkömmlichen Versicherungsbedingungen handelt es sich nur um einen versicherten Schaden, wenn Haarwild beteiligt ist. Nicht versichert sind Schäden, die beispielsweise durch Federwild entstehen. Ausnahme hierbei: geht die Windschutzscheibe zu Bruch, tritt die Teilkasko für den Glasschaden an der Windschutzscheibe ein.

Laut GDV/Unfallforschung der Versicherer wurden in 2009 rund 2.900 Personen bei Unfällen mit Wild verletzt, 13 Personen starben. Der Sachschaden belief sich im Jahre 2009 auf rund 500 Millionen Euro. Jährlich werden den Versicherungsunternehmen mehr als 200.000 Wildunfälle gemeldet.

siehe auch: Wildunfallbescheinigung

Unfallforschung der Versicherer

Die Unfallforschung der Versicherer hat in einem mehrjährigen Projekt (Zeitraum 1997 bis 2005) über 5.000 Unfälle mit Wildbeteiligung und ca. 10.000 Unfälle außerorts ohne Wildbeteiligung untersucht. Dabei wurden in Vorher/Nachher-Vergleichen die einzelnen Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen geprüft. Folgende Methoden wurden bisher empfohlen:

  • Freischneiden von Straßenbegleitgrün,
  • optische Reflektoren,
  • Duftbarrieren,
  • optisch-akustische Reflektoren,
  • Einsatz von Zeichen 142 „Wildwechsel“.

Überraschendes Ergebnis: Keine dieser Maßnahmen reduziert die Wildunfälle wirksam und nachhaltig.

Untersuchungsgebiet war der Oberbergische Kreis. Mit Hilfe der „elektronische Unfalltypen-Steckkarte“ (kurz: EUSKA) wurden neun Jahre lang alle polizeilich erfassten Wildunfälle ausgewertet. Auf sechs Straßenabschnitten wurden über je drei Jahre die unterschiedlichen Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen in Vorher/Nachher-Vergleichen erprobt. Die Ergebnisse wurden mit 37 Kontrollstrecken verglichen. Beteiligt an den Versuchen waren u. a. auch das Straßenverkehrsamt, die Polizei, die Jägerschaft sowie das Innenministerium und das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Auswertung der Wildunfälle ergab folgende Besonderheiten:

  • Zwar passieren absolut die meisten Wildunfälle morgens zwischen 5 und 8 Uhr sowie abends zwischen 17 und 0 Uhr, dennoch ist die Zeit zwischen 1 und 4 Uhr angesichts der geringen Verkehrsstärken ziemlich gefährlich.
  • Wildunfälle passieren die ganze Woche über.
  • Über das Jahr verteilt gibt es im mehrjährigen Durchschnitt Spitzen bei den Wildunfällen im Mai sowie Oktober und November, die Abweichungen zwischen den Monaten ist aber relativ gering. Vorsicht ist also das ganze Jahr über geboten.
  • Bei 80 Prozent aller Wildunfälle kollidiert das Kfz mit einem Reh, bei 10 Prozent mit einem Wildschwein.

Fazit aus der Untersuchung: Der Wildunfall ist ein andauerndes und durchaus schwerwiegendes Problem der Verkehrssicherheit. Er kann unabhängig von der Erfahrung und dem Fahrkönnen jeden Kraftfahrer treffen. Für keine der bislang diskutierten und angewandten Maßnahmen (Duftbarrieren, optische (optisch/akustische) Reflektoren, Rückschnitt der Hecken und Sträucher am Straßenrand oder Wildwechselschilder) konnte in der Untersuchung eine wirksame Reduzierung der Unfallzahlen nachgewiesen werden.

Quelle: Schlussbericht 2005 „Unfallhäufung mit Wildunfällen“

Weitere Informationen

Literatur